Sonntag, 8. November 2015

625 Jahre Papier in Deutschland

Die Geschichte des Papiers in Deutschland von 1908 bis heute


1908 Kaffefilter und Teebeutel 

 

Die Hausfrau Melitta Bentz stört der lästige Kaffeesatz in der Servierkanne. Sie experimentiert mit Löschblättern aus den Schulheften ihrer Söhne, die sie in einen Topf legt, den sie zuvor mit Nägeln durchlöchert hatte. Vom Erfolg überwältigt entschließt sie sich, Unternehmerin zu werden. Das Kaiserliche Patentamt erteilt ihr am 8. Juli 1908 Gebrauchsmusterschutz.

Der Teebeutel wird, der Legende nach, 1908 eher versehentlich von dem Amerikaner Thomas Sullivan „erfunden“. Er schickt Teeproben an Kunden in Seidenbeuteln. Diese tauchen angeblich die ganzen Beutel in die Kanne, in dem Glauben, dass dies so von Sullivan vorgesehen gewesen sei.

 

 1930 Comic

 

 

 

Am 13. Januar 1930 erscheint der erste Comic mit Micky Maus in einer amerikanischen Tageszeitung. Bald lesen weltweit Millionen Menschen begeistert die Bildgeschichten.

 

 

 

 

1945 Innovation

Kollergang und Holländer haben ausgedient. Pulper und Refiner ermöglichen eine kontinuierliche Papierherstellung.

1953 Bild

Die erste Ausgabe der BILD erscheint am 24. Juni 1952 mit einer Gesamtauflage von 250.000 Exemplaren. Vorbild ist die englische Boulevardzeitung Daily Mirror. Die Erstausgabe hat vier Seiten und wird kostenlos verteilt, danach kostet das Blatt 10 Pfennig.

1954 Druck

Erstes maschinengestrichenes Papier in Deutschland: Diese neue glatte Qualität leitet den Aufschwung des Farbdrucks für viele neue Illustrierten- und Magazintitel ein.

1974 Produktion

Rund 150 Millionen Tonnen Papier werden weltweit hergestellt.

1990 Umwelt

Angesichts der ökologischen Probleme nimmt die Zellstoffindustrie Abstand von der Elementarchlorbleiche. Jetzt wird der Zellstoff mit Sauerstoff- und Sauerstoffverbindungen aufgehellt.

2007 Enzyklopädie Brockhaus

 

 

Die 21. Auflage von 2007 bleibt die letzte - und damit das vorläufig letzte gedruckte Universallexikon deutscher Sprache.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2015 Papierindustrie

Die deutsche Papierindustrie ist die Nr.1 in Europa. Insgesamt werden rund 23 Mio. Tonnen Papier, Karton und Pappe hergestellt.


2015 625 Jahre Papier in Deutschland

 Quelle: www.625jahrepapier.de

Mit freundlicher Genehmigung des Verbands Deutscher Papierfabriken e.V.

Samstag, 7. November 2015

Die Geschichte des Papiers – Papierherstellung

Die Kunst der Papierherstellung ab 1800

Rohstoffe

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren Hadern (Lumpen), also Altkleider, Schiffstaue und andere textile Produkte praktisch der einzige Rohstoff für die Papierindustrie. Da sie knapp waren, herrschten strenge Regelungen zur Sammlung und zwischen den Papierproduzenten tobte ein ständiger Kampf um das Rohmaterial. Ab 1800 wurde Packpapier in unbedeutendem Umfang auch aus Stroh hergestellt. 1843 erfand F. G. Keller den Holzschliff. Auf den nun aufkommenden Maschinen konnte Papier in unbegrenzter Menge produziert werden. Leider ist Lignin, die Gerüstsubstanz des Holzes, nicht alterungsbeständig, sodass alle ab etwa 1845 produzierten holzhaltigen Papiere dem Verfall unterliegen. 1851 wurde das erste Verfahren für die Herstellung von Zellstoff erfunden, in dem Lignin und andere Bestandteile entfernt werden. Aus der fast reinen Zellulose werden „holzfreie“ Papiere hergestellt – in abnehmender Menge, weil der Einsatz von Altpapier (mit dem Deutschland weltweit führend ist) für alle Papiere, die keiner langen Lebensdauer bedürfen, den Holzeinsatz mindert.

Stoffaufbereitung

Jegliches Rohmaterial („Halbstoff“) muss einem Mahlvorgang unterworfen werden, dessen Ausgestaltung den Charakter des Papiers bestimmt. Kollergang, Holländer, Refiner sind solche Anlagen. Wird die Faser zwecks guter Blattbildung nur gekürzt, bleibt also in ihrer schlauchförmigen Struktur erhalten („rösche“ Mahlung), wäre das Extrem z.B. Löschpapier. Wird aber die Faser defibrilliert, also zerstört („schmierige“ Mahlung), ergibt sich der Stoff für Transparentzeichenpapier. Jedes Papier ist also gekennzeichnet durch den zwischen den Extremen liegenden „Mahlgrad“.
Dem „Ganzstoff“ werden unterschiedlichste Stoffe beigemengt: Leimung für Schreib-, Offset- und andere Papiere, Farben, Schaumverhinderer und viele spezielle Chemikalien, von solchen für die Nassfestigkeit von Verpackungspapieren bis zu höchst geheimen Stoffen zur Fälschungssicherheit von Banknotenpapieren.
 

Papiermaschine / Siebpartie

1799 stellte der Franzose Louis-Nicolas Robert seine Erfindung einer mit Muskelkraft betriebenen Papiermaschine (PM) mit endlosem Sieb vor und schuf damit die Voraussetzung für die Papierherstellung im industriellen Maßstab. Die Maschine bestand aus zwei in gleicher Richtung drehbaren Walzen, um die ein endloses Sieb lief. Die mit einer Handkurbel betriebenen Walzen bewegten es in Längsrichtung. Die Stoffsuspension kam eimerweise aus der Bütte auf das Sieb. Die feuchte Papierbahn wurde auf einer Walze aufgewickelt und periodisch abgenommen und in Bogen geschnitten, die dann an der Luft wie die Wäsche getrocknet wurden. So konnte erstmals eine beliebig lange Papierbahn erzeugt werden. Der Engländer John Gamble erhielt 1801 das Patent für eine von ihm verbesserte Version dieser Maschine. Davon erhielten Londoner Papiergroßhändler, die Brüder Fourdrinier, Kenntnis. Als Finanziers, gemeinsam mit dem Ingenieur Bryan Donkin von der Firma Donkin and Hall in Dartford und Gamble als Spezialist für den Patentschutz, trieben sie die Entwicklung weiter voran, sodass eine wesentlich verbesserte Maschine 1804 in Frogmore (Hertfordshire) ihren Betrieb aufnehmen konnte. Sie erzeugte Papier nach dem gleichen Prinzip, allerdings schon mit großenteils eisernen anstatt der hölzernen Teile.

Papiermaschine / Pressen und Walzen

Der größte Teil des Wassers (97–98 % des Stoffes) läuft bereits auf dem Sieb ab. Das sich so bildende Faservlies wird auf ein Filztuch (Nassfilz) übertragen und zwischen zwei bis vier Walzenpaaren (Nasspressen) hindurchgeführt, die weiteres Wasser herauspressen. Dann gelangt das Papier mit etwa 25–40 % Trockengehalt auf einem Trockenfilz über dampferhitzte Trockenzylinder. Der Bau des ersten Trockenzylinders gelang Bryan Donkin 1819. Offsetpressen glätten es, bevor es schließlich zu Maschinenrollen aufgewickelt wird. Im Superkalander, einer Anzahl übereinander angebrachter Walzenpaare, abwechselnd aus Stahl und gepresstem Hartpapier, wird die gewünschte Glätte erzeugt.

 

Ausrüstung und Versand

Die Maschinenrollen werden im Umroller auf die vom Kunden vorgegebene Breite und Durchmesser bzw. Rollenlänge umgerollt. Im Querschneider werden Bogen, „Formatpapiere“, erzeugt. In der Feinpapierindustrie gibt es Sortierquerschneider, in denen jeder Fleck, jede Knitterstelle, jedes Loch erkannt und aussortiert wird. Das einwandfreie Papier wird gezählt und entweder zu 1.000 kg auf einer Palette gestapelt, wobei farbige Streifen gewünschte Mengen, z.B. 1.000 Bogen, abteilen oder maschinell verpackt, „eingeriest“, wobei der Riesinhalt sich nach dem Flächengewicht richtet, also zwischen 100 Bogen (sehr dicker Karton) bis 1.000 Bogen (sehr dünne Papiere), zumeist also 250 oder 500 Bogen. Kleinformate, z.B. A 4, werden auf einer separaten Anlage geschnitten und zu 500 Blatt verpackt. In Hohenofen wurde das Papier noch bis zur Stilllegung im Papiersaal von Frauen durch Umblättern („Umschlagen“) jedes einzelnen Bogens auf Fehler geprüft, bogenweise gezählt und riesweise verpackt. Kleinere Mengen und Formate wurden in Mappen abgezählt und verpackt. Um es vor Feuchtigkeit zu schützen, wurde es mit Teerpapier umhüllt bzw. wurden die Kisten mit Teerpapier ausgeschlagen. Die Bahnlinie ging direkt bis an den Packsaal, sodass die Waggons dort direkt beladen werden konnten.

Quelle: http://www.papierfabrik-hohenofen.de/
Auszüge mit freundlicher Genehmigung der Paten-Papierfarbrik Hohenofen

Die Patent-Papierfabrik Hohnenofen wurde vor 25 Jahren geschlossen, kann heute aber besichtigt werden. Diverse Ausstellungen setzen der ehemaligen Produktionsstätte ein Denkmal.

Mittwoch, 4. November 2015

625 Jahre Papier in Deutschland


Die Geschichte des Papiers in Deutschland von 1390 bis 1900

 

Eine Zukunft ohne Papier ist heute kaum vorstellbar. Papier wird überall benötigt und genutzt – sei es in der Industrie, der Medizin oder im Alltag. Dabei hat Papier eine lange Geschichte – erfunden wurde es in China bereits vor rund 2000 Jahren, erst im Mittelalter wurde in Europa Papier  hergestellt. Seit 625 Jahren gibt es Papier in Deutschland:

1390 Papiermühle

 

 

Die erste deutsche Papiermühle wird 1390 von Ulman Stromer unter dem Namen Gleismühl vor den Toren Nürnbergs errichtet.








1445 Buchdruck
Der Mainzer Johannes Gutenberg erfindet die Buchdruckkunst, für die er zunächst Papier aus Italien einsetzt.


1605 Die erste Zeitung

Mit der Relation in Straßburg erscheint die erste Zeitung. Weitere Blätter erscheinen in Basel (1610), Frankfurt am Main (1615), Berlin (1617), London (1621), Paris (1631) und Leipzig (1650).

 1670 Innovation

Von holländischen Papiermachern werden wannenförmige mit Messerwalzen bestückte Tröge (Holländer) an Stelle der früheren Stampfwerke zur Faseraufbereitung verwendet. Dies bringt eine beachtliche Leistungssteigerung bei deutlich geringerem Kraftbedarf.






1785 Bleiche

Der französische Chemiker Claude Louis Berthollet erfindet die Herstellung von Chlorgas aus Kochsalz, Schwefelsäure und Braunstein. Er empfiehlt sein Verfahren für die Bleiche von Hadern für einen besonders hohen Weißgrad bei der Papierherstellung.

1799 Erste Papiermaschine

Erstes Patent für eine Papiermaschine von Nicolas Louis Robert (Nr. 329).

1843  Holzschliff

Friedrich Gottlob Keller presst Holz unter Zugabe von Wasser an einen Schleifstein und erhält eine milchige Flüssigkeit, die sich rasch verfestigt: Die Geburtsstunde des Holzschliffverfahrens zur Gewinnung von Holzstoff zur Papierherstellung.

1851 Zellstoff

Die Chemiker Hugh Burgers und Charles Watt stellen zum ersten Mal Natron- oder Soda-Zellstoff her.

 

1857 Hygieneartikel  

Joseph Cayetty produziert in den USA das erste Papier, das in einer Fabrik speziell als Toilettenpapier hergestellt wird. Er ist so stolz auf sein Produkt, dass er jedes Blatt mit seinem Namen bedrucken lässt.






 

 

1900 Produktion

In der Welt gibt es etwa 5.200 Papier- und Pappenfabriken, darunter etwa 1.300 in Deutschland und 512 in Frankreich. 1 Million Tonnen Papier werden in den USA hergestellt.

Quelle: www.625jahrepapier.de

Mit freundlicher Genehmigung des Verbands Deutscher Papierfabriken e.V.